Klassische Therapie mit Antibiotika

Langzeittherapie mit Antibiotika – häufiger angewandt, als allgemein bekannt

 

Es ist anerkannt, dass Tuberkulose Patienten eine Langzeittherapie mit Antibiotika über 6 Monate oder länger erhalten müssen, da das Mycobakterium tuberculosis ein Bakterium mit langem Generationszyklus ist. Auch Borrelien sind Bakterien mit langem Generationszyklus.

Bei der Chlamydien-Infektionen scheint die Strategie der Langzeittherapie, wie verschiedene Studien zeigen, ebenso erfolgversprechend zu sein (1). Bei rezidiv. Erysipel und manchen Formen der Akne wird gleichfalls eine Langzeittherapie mit Antibiotika empfohlen.

Interessant ist die Entdeckung der protrahierten bakteriellen Bronchitis im Kindesalter als eine Ursache bei chronischem Husten. Auslösend dafür werden Biofilm-bildende Erreger angenommen und daher eine längere Antibiotika-Gabe empfohlen (5).

Eine weitere Studie zeigt, dass insbesondere die langsam wachsenden Bakterien und/oder langsam wachsenden Fraktionen von Bakterien als problematisch für die Antibiotika-Therapie anzusehen sind (6). Für diese Infektionen wird eine Langzeit-Antibiotika-Gabe empfohlen. Die Therapiedauer ist dabei von den individuellen Bedingungen des einzelnen Patienten abhängig.

 

Kombinationstherapie – warum ?

 

Bei Infektionen mit Legionellen, TBC, HIV (AIDS) wird der Erfolg der Therapie oft durch eine Kombination von mindestens zwei Medikamenten verbessert. Gleiches gilt für die Malariatherapie, um weitere Resistenzentwicklungen zu verhindern.

Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass auch bei der Borreliose Behandlung eine Kombinationstherapie sinnvoll ist.

Bei chronisch verschlaufenden Chlamydien-Infektionen scheint eine Kombination von Antibiotika ebenfalls vielversprechend zu sein (1), (10). Zudem ist die Infektion mit Chlamydia pneumoniae eine häufige Ko-Infektion. Darüber hinaus finden wir bei diesen Patienten weitere Infektionen mit Mykoplasmen spp (2), (11) und /oder Yersinien und/ oder Ehrlichien, Epstein-Barr-Virus (EBV) usw.

Die ILADS und die Deutsche Borreliose Gesellschaft empfehlen daher eine Langzeit- und Kombinationstherapie mit Antibiotika.

 

Kann Ceftriaxon allein alle Anforderungen erfüllen?

 

Mit einer Monotherapie werden kaum Verbesserungen erreicht (7). Es wirkt zwar gut auf die native Spiralform der Borrelien, erreicht aber weder die Persisterformen der Borrelien noch andere Erreger und damit auch nicht die Ko- und Begleitinfektionen. Aus diesem Grunde sollte eine Kombination von Antibiotika gewählt werden.

Ceftriaxon verabreichen wir deshalb nur noch selten. Es gibt sogar Hinweise, dass Ceftriaxon die Entstehung von Persisterformen begünstigen kann (4). Für die Spiralform der Borrelien sind Ceftriaxon und Doxycyclin sicher gut einsetzbar, jedoch nicht für die o.g. Persisterformen, Biofilme, intrazellulären Erregerformen und Ko-Erreger, von denen auch viele intrazelluläre Erreger sind.

 

Überwachung der Borreliose Therapie mit Antibiotika

 

Eine Langzeit- und Kombinationstherapie mit Antibiotika ist nicht ohne Risiko. Deshalb empfehlen wir hier regelmäßige Kontrolluntersuchungen und die Einnahme von unterstützenden Substanzen, wie z.B. Probiotika, um z.B. das Risiko Antibiotika-assoziierter Durchfälle oder einer pseudomembranösen Enterokolitis zu reduzieren. Sollten während der Therapie Probleme auftreten (z.B. Durchfall, Allergie usw.), kann diese nicht fortgeführt werden. Dann müssen Alternativen gesucht werden.

Treten keine Nebenwirkungen auf, sind alle Kontrollen ohne pathologischen Befund und verbessern sich zudem die Beschwerden, spricht nichts gegen die Fortsetzung der Therapie. Auch für andere Erkrankungen und Infektionen ist dieser Ansatz so akzeptiert.

 

Welche Dosis und wie lange?

 

Bei Infektionen stehen alle Therapeuten oft generell vor zwei Fragen: Wie hoch muss ich das Antibiotikum dosieren und wie lange dieses verordnen. Dies ist vom individuellen Zustand, Alter, Geschlecht und Körpergewicht des Patienten abhängig. Und auch davon, wie der Patient das Medikament aufnimmt und verstoffwechselt (Cytochrom-P450-System, Gendermedizin usw.). Ein weiterer beeinflussender Faktor ist das Immunsystem des Betroffen selbst, d.h. wie viel Hilfe benötigt es, um mit der Infektion „zurechtzukommen“.

Die Entwicklung multiresistenter Bakterien wird sicher durch den oft unkritischen, ungezielten, zu häufig wechselnden Einsatz von Antibiotika sowie durch die häufige Anwendung dieser Substanzen auch in der Tieraufzucht bzw. Tiermast begünstigt. Durch eine Kombination von Antibiotika kann dieses Risiko der Resistenzentwicklung reduziert werden (8). Eine Resistenzentwicklung ist bei Borrelien bisher nicht bekannt. Deshalb ist bei solchen Erregern nach einer neuen Studie eher eine aggressivere therapeutische Strategie empfehlenswert, um möglichen Resistenzentwicklungen bzw. dem Wirkverlust der Medikamente zuvorzukommen (9).

Unterstützende Maßnahmen können sicher die Länge und Intensität der Antibiotika-Therapie reduzieren. Dazu gehören Ernährungsumstellung, anti-inflammatorische Therapie, naturheilkundliche Verfahren zur Stärkung des Immunsystems sowie gut dosierte Bewegungs- und Physiotherapie.

Gegen eine Antibiotika-Therapie spricht, wenn das Immunsystem die Infektion möglicherweise alleine bekämpfen kann. Diese Betroffenen (Infizierten) haben dann zwar positive Antikörpertiter, aber keine Symptome (d.h., sie sind nicht krank) und müssen deswegen auch nicht unbedingt behandelt werden.

Bedenklich ist vielmehr, dass viele Patienten nach 3 Wochen Therapie ihren Therapeuten nicht mehr aufsuchen. Es entsteht der Eindruck, nun vollständig therapiert zu sein und nur noch abwarten zu müssen, bis die restlichen Beschwerden mit der Zeit verschwinden. Tun sie dies nicht, wird das als ein Post-Lyme-Syndrom bezeichnet, das rein symptomatisch behandelt wird. Nach unserer Erfahrung sind bei diesen Patienten die Erreger allerdings noch aktiv.

Die Arbeiten der Professoren Zeidler (vgl. 1) und Saviola (vgl. 3) weisen darauf hin, dass Erreger chronische Beschwerden auszulösen in der Lage sind. Eine antibiotische Therapie entsprechend Wirkung erzielen kann und Autoimmunprozesse bzw. entzündliche Prozesse nicht alleine ablaufen. Vielleicht ist in einigen Fällen auch eine Doppelstrategie sinnvoll.

Mit einer Antibiotika-Therapie wird die Erregerlast (Zahl) gesenkt. Zur Überwindung der Infektion und/oder Eradikation (Eliminierung) aller Erreger ist nur das Immunsystem fähig. Es reicht jedoch bereits aus, wenn das Immunsystem den Erreger kontrollieren kann, so dass der Patient zumindest symptomfrei ist. Einige Antibiotika (z.B. Azithromycin oder Doxycyclin), aber auch naturheilkundliche Mittel haben selbst immunmodulatorische und antientzündliche Wirkungen.

 

Herxheimer Reaktion

 

Bei der Durchführung der Antibiotika-Therapie kann die so genannte Herxheimer-Reaktion auftreten. Bei der Zerstörung gram-negativer Bakterien werden Lipopolysaccharide frei, die zu einer Verstärkung der bestehenden Symptomatik führen können. Diese Reaktion wird häufig nicht erkannt, sondern als Unverträglichkeit oder allergische Reaktion auf die Antibiose interpretiert und die Therapie fälschlicherweise beendet. Tritt die Herxheimer-Reaktion auf, sollte der Patient unbedingt Kontakt zu seinem behandelnden Arzt aufnehmen.

 

Weitere unterstützende Therapien

 

Eine deutliche Verbesserung des Immunsystems kann durch naturheilkundliche Therapien und Methoden erreicht werden.

Infektionen und auch Autoimmunerkrankungen führen zu Entzündungen (Inflammationen). Antientzündliche (anti-inflammatorische) Therapien können diese Symptome lindern. Hierbei gibt es synthetische wie auch natürliche Wirkstoffe.

 

(1)    Prof. Henning Zeidler: „New insights into Chlamydia and arthritis. Promise of a cure?“, Ann Rheum Dis 2014;73:637-644.

(2)    Prof. Garth L. Nicolsen et. al.: „Mycoplasma Infections in Chronic Illnesses“, z.B. bei Fibromyalgie, CFS, RA; Medical Sentinel Vol. 4, Oct. 1999; 172-175,191,

(3)    Saviola G et. al. „Clarithromycin in rheumatoid arthritis: the addition to methotrexate and low-dose methylprednisolone induce a significant additive value-a 24 month single-blind pilot studie“ Rheumatol Int. 2013 Juli 18

(4)    Kersten A., Poitschek S., Aberer E. (1995): Effects of penicillin, ceftriaxone and doxycycline on morphology of Borrelia burgdorferi“, Antimicrob Agents Chemother. 39, 1127-1133

(5)    A. Irnstätter et.al. “Chronischer Husten im Kindesalter“, Kinder- und Jugendmedizin 05/2013, Schattauer 2013, S 336 ff

(6)    Beatrice Claudi et.al. „Variation of Salmonella in Host Tissues Delays Eradication by Antimicrobial Chemotherapy. Cell, published 14. August 2014, doi: 10.1016/j.cell. 2014.06.045

(7)    Klempner M.S. et.al. „Treatment Trials for Post-Lyme Disease Symptoms Revisited“ The American Journal of Medicine, 2013

(8)    Hof H, Dörries Rüdiger: “ Medizinische Mikrobiologie”, 5. Auflage, 2014, Georg Thiema Verlag KG, S. 309 (oben), ISNB  978-3-13-125315-6

(9)    Roger D.Kouyos et. al.: „ The path of least resistance: aggressive or moderate treatment?, Proc.R.Soc. B 2014 281, 20140566, published 24 September 2014

(10) Rihl M, Kuipers JG  et.al. „Combination Antibiotics for Chlamydia-Induced Arthritis: Breakthrough to a Cure?“, Arthritis & Rheumatism, Vol. 62, No. 5, May 2010, pp 1203-1207, American College of Rheumatology

(11) Nicolson GL, Gan R, Haier J.: „Multiple co-infections (Mycoplasma, Chlamydia, human herpes virus-6) in blood of chronic fatigue syndrome patients: association with signs and symptoms“, APMIS 2003;111:557–66.

(12) Feng J, Auwaerter PG, Zhang Y (2015):“Drug Combinations against Borrelia burgdorferi Persisters In Vitro: Eradication Achieved by Using Daptomycin, Cefoperazone and Doxycycline“, PLoS ONE 10(3): e0117207. doi:10.1371/journal. pone.0117207

(13) Jie Feng, Megan Weitner, Wanliang Shi, Shuo Zhang and Ying Zhang: Eradication of Biofilm-Like Microcolony Structures of Borrelia burgdorferi  by Daunomycin and Daptomycin but not Mitomycin C in Combination with Doxycycline and Cefuroxime, 2016, Microbiol. 7:62. doi: 10.3389/fmicb.2016.00062

 

Weitere Studien zur Antibiotika-Therapie finden Sie hier.

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