Allgemeines

Alle folgenden Betrachtungen sind als Anregungen bzw. Informationen gedacht. Wir sind der Auffassung, dass wir längst nicht alles über die komplexen und komplizierten Wechselwirkungen wissen, die sich zwischen Erregern (Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen, Parasiten usw.) mit ihren jeweiligen Virulenzfaktoren einerseits und dem Immunsystem des Betroffenen (auf das alle diese Erreger treffen) andererseits abspielen. An dieser Stelle entscheidet sich bei jeder Infektion, ob der Betroffene nur infiziert wird oder ob er auch erkrankt (also Symptome entwickelt), und wie schwer die Ausprägung der Erkrankung verläuft.

Wir möchten jeden Interessierten dazu einladen, dieses komplexe und komplizierte Feld mit zu erforschen und Ideen einzubringen. Alle Studien, die vom Verfasser an die einzelnen Kapitel angehängt worden sind, sind im Internet finden. Keine dieser Studien wurde von der BCA-clinic durchgeführt oder in Auftrag gegeben. Wir haben diese Studien zur allgemeinen Information zusammengetragen.

 

Anregungen zum Thema Studien:

  1. Von Virus- und Bakterienarten ist bekannt, dass sie Mechanismen entwickelt haben, um das Immunsystem des Betroffenen zu modulieren, ihm zu entgehen, es „in die Irre zu führen“ und auch im Organismus persistieren (verbleiben) zu können. Deshalb ist im Nachgang auch eine Reaktivierung der Infektion möglich (z.B. bei Herpes-simplex-Virus, HIV, Varizella-Zoster-Virus, Epstein-Barr-Virus, TBC u.v.m.). Immerhin wird die Möglichkeit einer subklinischen (latenten) Infektion bei der Borreliose auch von der allgemeinen Meinung nicht mehr ganz ausgeschlossen.
  2. Weiterhin ist bekannt, dass Bakterien- und Virenarten oder -stämme, dass sie pleomorphe Formen (Persisterformen) und Biofilme bilden können. Einige Erreger sind in der Lage, die T-Lymphozyten modulieren und „unempfindlich“ zu machen (Anergie). Dies ist offenbar nicht nur durch Viren, sondern auch durch Bakterien möglich (Staphylokokkus aureus—DÄB, Jg. 106, Heft 43 vom 28.10.2011, S. 1902). Einige Erreger können ihre Antigene und Rezeptoren auf ihrer Oberfläche verändern, andere ebenso das Komplementsystem des Betroffenen blockieren. Wieder andere z.B. das zelluläre Immunsystem „fehlleiten“ u.v.m. Derartige Mechanismen sind auch von Borrelien bekannt, vgl. (1), (2), (7), (13).
  3. Könnten so nicht auch einige Autoimmunerkrankungen, Allergien oder endokrine Erkrankungen (Störungen) entstehen? Normalerweise werden Immunprozesse ausgelöst, angeschoben und unterhalten, müssen aber irgendwann auch wieder reduziert und abgestellt werden. Was ist, wenn die dauerhafte Aktivierung und/oder Fehlsteuerung des Immunsystems auch durch Erreger (Viren, Bakterien usw.) verursacht werden? Es ist zudem bekannt, dass einige Erreger in den Hirnstoffwechsel eingreifen und dort Störungen, z.B. im Stoffwechsel der Neurotransmitter (Serotonin, Dopamin, Noradrenalin) verursachen können, ggf. auch durch die Entzündungen, die sie auslösen. Was wäre dann mit manchen Fällen von Depressionen? Gerade hier besteht ja oft eine Störung des Stoffwechsels der Neurotransmitter.
  4. Viele weitere Faktoren wirken auf unser Immunsystem zusätzlich negativ, wie z.B. Umwelteinflüsse (bestimmte Lebensmittel, die generelle Ernährung, Toxine, Schwermetalle, Schimmelpilze, Weichmacher in Spielzeug, Möbeln u.v.m.). Überlegenswert ist in diesem Zusammenhang die Frage nach der Herkunft unserer Lebensmittel in der globalisierten Welt der Lebensmittelindustrie und nach den Bedingungen, unter denen sie jeweils produziert und verarbeitet werden. Das ist bereits zunehmend in den Medien nachzuverfolgen (z.B. Ethoxyquin in der industriellen Lachszucht in Lachszuchtfarmen, Antibiotika in der Tierzucht usw.). Ebenso muss man sich in diesem Zusammenhang fragen, welche Arbeitsweisen (bspw. die Gerbung von Leder mit Chrom) oder welche Färbemethoden bei der Herstellung unserer Bekleidung in den Herstellungsländern zur Anwendung kommen. Es gibt unzählige weitere umweltmedizinische Einflussfaktoren, die hier nicht alle diskutiert werden können.
  5. Bei psychischen Einflüssen wie Stress- und Konfliktsituationen ist bekannt, dass sie zu einer Immunsuppression (Schwächung) durch eine chronische Überproduktion der Stresshormone Adrenalin und Cortisol führen können. Auch der Stress, den der Patient auf sich selbst ausübt, aber auch jede Störung des Biorhythmus (z.B. durch Nachtarbeit) sowie Lärm oder Infraschall gehören dazu. Die Reduzierung dieser negativen Faktoren ist sicher sehr hilfreich, in manchen Fällen allerdings nicht als alleinige Therapie bzw. den einzigen Therapieansatz anzusehen.
  6. Sind noch alle Mineralstoffe und Vitamine ausreichend in unseren Nahrungsmitteln enthalten und wer schafft es, sich in dieser Zeit voller Stress und Hektik noch tatsächlich ausgewogen zu ernähren?
  7. Es ist wie bereits erwähnt bekannt, dass einige Borrelienstämme die Fähigkeit der Resistenz gegenüber dem Komplementsystem des Betroffenen (Infizierten) haben (1), (7), (13). Das Komplementsystem ist ein wichtiger Teil des angeborenen Immunsystems. Diese Fähigkeit wird als ein wichtiger Virulenzfaktor der Borrelien diskutiert. Eine neue Arbeit zeigt nun, dass diese Fähigkeit der Borrelienstämme wahrscheinlich unterschiedlich stark ausgeprägt ist (25).

 

Daraus könnte man folgenden Gedanken ableiten:

Wenn der Borrelienstamm, der den Menschen infiziert hat, das Komplementsystem blockieren kann (oder resistent dagegen ist), führt das zu einer gewissen (partiellen) Schwäche oder Ineffektivität des Immunsystems des Betroffenen und dieser wird krank. Kann der Borrelienstamm das Komplementsystem nicht blockieren bzw. ist nicht resistent dagegen, wird der Mensch eventuell nur infiziert, aber nicht krank. In beiden Fällen werden die Betroffenen wahrscheinlich Antikörper aufweisen, sofern die Testmethode sie erfasst. Die Immunschwäche oder Ineffizienz, die durch diese Blockade (oder Resistenz gegenüber) des Komplementsystems entsteht, ist eine partielle und funktionelle Schwäche bzw. Ineffektivität der Abwehr, die wir bisher noch mit keiner Testmethode richtig nachweisen können, die aber nachweislich existiert.

Diese Schwächung oder Ineffektivität der Abwehr ist natürlich weniger gravierend als bei HIV, da es nur eine Komponente des Immunsystems betrifft, während das HI-Virus eine massive, generelle Schwächung des Immunsystems auslösen kann. Es könnte jedoch erklären, warum ein Mensch krank wird und ein anderer nicht. Dies müsste näher untersucht werden. Ob dies auch Auswirkungen auf die Abwehr anderer Infektionen hat, könnte ebenso Gegenstand von Forschungen sein.

  1. Kann eine Multisystem-Erkrankung (vor allem im chronischen Verlauf) bei allen Patienten und in allen Fällen mit einer kurzen Monotherapie erfolgreich behandelt werden?
  2. Warum entwickelt der Mensch keine anhaltende Immunität gegen Borrelien?
  3. Es gibt offenbar sogar Interaktionen der verschiedenen Erreger und Stämme untereinander (26).

 

Die komplexe (ganzheitlich) und interdisziplinäre Betrachtung ist dringend notwendig!

Alle aufgeführten Diskussionspunkte sind zumeist durch viele wissenschaftliche Studien in den verschiedenen Fachgebieten wie z.B. der Psychologie, Psychiatrie, Umweltmedizin, Arbeitsmedizin, Immunologie, Infektionsmedizin, Ernährungswissenschaft gut belegt. Was hierbei oft fehlt, ist das interdisziplinäre Zusammenfügen aller dieser Faktoren und Einflüsse, die ganzheitliche Betrachtung, da der Patient meist mehreren oder allen diesen Faktoren gemeinsam ausgesetzt ist – wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Was bedeuten diese ganzen Einflüsse in der Summe für das Immunsystem in seiner Leistungsfähigkeit im Umgang mit Infektionen? Nicht zu vergessen hierbei auch die genetische Faktoren.

Der Betroffene ist oft mehreren Erregern gleichzeitig plus zusätzlich den anderen Einflüssen auf sein Immunsystem ausgesetzt. Schließlich werden wir alle jeden Tag unser Leben lang mit den verschiedensten Erregern konfrontiert und infiziert, aber normalerweise nicht jeden Tag krank.

Könnte es nicht sein, dass chronische Infektionen, die oft Multisystem- und Multiorgan-Erkrankungen auslösen, mehrere (multifaktorielle) Ursachen haben? Die dann dazu führen, dass der Betroffene (Infizierte) auch an der/den Infektion/en erkrankt? Benötigen wir aus diesen Gründen nicht auch individuelle, multimodale und ganzheitliche Therapieansätze?

Da jedes Individuum „einmalig“ auf dieser Welt ist, kann man nicht erwarten, dass alle Menschen immer gleich reagieren. Das Immunsystem ist eines der wichtigsten Systeme für unsere „Einmaligkeit“. Es ist zu vermuten, dass das Feld der chronischen Infektionen (zu denen auch die Borreliose gehören kann) wesentlich komplexer ist als es bisher angenommen. Dazu ist es notwendig, die Literatur aus den unterschiedlichen Bereichen zusammenzutragen, zu sichten und zu einem größeren Bild oder in einer anderen Reihenfolge zum besseren Verständnis und zur Kausalität zusammenzusetzen. Leider wird die Möglichkeit von chronischen (auch bakteriellen) Infektionen eher ausgeschlossen oder oft nicht in Betracht gezogen.

Man könnte nun denken, dass man nicht alle Faktoren vermischen darf. Doch genau das kommt in der Natur, in den Lebewesen und im Leben öfter vor, als wir meinen.

 

Die Zecke als Überträger (und die Verbreitung)

Eine große Hilfe für den Bereich der von Zecken übertragenen Infektionen wäre eine aktuelle Untersuchung der Zecken darauf, wie viele von ihnen infiziert sind und mit welchen Erregern (Viren, Bakterien, Protozoen usw.). Diese Untersuchungen sollten in mehreren Ländern Europas (oder auch anderen Regionen) erfolgen (3), (4), (8), (11), (12), (30). Dann könnte man auch die Betroffenen sehr viel gezielter untersuchen (32). Wie klinisch relevant die gefundenen Erreger für den Menschen sind, schließt sich als nächste Frage an. Diese sollte ebenso untersucht werden.

Die Verbreitung (Verteilung) von infizierten Zecken unterliegt zeitlichen, klimatischen und geografischen Veränderungen. Man bedenke dabei die Lebensräume der unterschiedlichen Wildtiere und die veränderten Zugrichtungen der Vögel, da alle diese Tiere Wirtstiere für Borrelien sind und oft viele Zecken tragen und verbreiten (3). Bei der Verbreitung der infizierten Zecken durch die Vögel sind vor allem die Vögel interessant, die vorwiegend im Gras, Gebüsch und Unterholz leben und die infizierten Zecken über gewisse Strecken transportieren und verteilen (5), (14), (27), (28), (29). Offenbar sind bei der Verbreitung infizierter Zecken aber auch Hunde (15) und andere Haustiere (18) von Relevanz. Auch stellt sich die Frage, ob Zecken und Erreger durch Klimaveränderungen in den anderen (neuen) Regionen besser überleben können. Das Reiseverhalten des Menschen in unserer globalisierten Zeit begünstigt zudem die Verbreitung von infizierten Zecken (Transportmittel, Bekleidung, Gepäck usw.). Es gibt außerdem verschiedene Zeckenarten, die z.T. auch mit anderen Erregern infiziert sind (31).

Erst kürzlich wurde ein weiterer humanpathogener Borrelienstamm identifiziert, Borrelia miyamotoi (6), (13). Ob die bisherigen Antikörper-Testsysteme diesen Stamm nachweisen können, darf hinterfragt werden, da diesen Stamm und seine Antigene bisher niemand für wichtig (humanpathogen) hielt. Auch dieser Stamm wurde mit Sicherheit von Vögeln bereits weit verbreitet. Wer weiß, wie viele unentdeckte und humanpathogene Borrelienstämme (33) und Ko-Erreger es noch gibt?

Eine Sache scheint außerdem beachtenswert zu sein. Man bedenke, in wie vielen unterschiedlichen Lebewesen (Wirten) Borrelien leben und überleben können (unterschiedliche Tierarten, z.B. sehr viele Säugetierarten, aber auch Vögel; verschiedene Zeckenarten und der Mensch). Dazu muss der Erreger komplexe Überlebensmechanismen („Escape“-Mechanismen) aufweisen können (1), (2), (7), (13).

 

Der Mensch und seine Individualität

Viele Betroffene haben oft keine einzelne Infektion, sondern Mischinfektionen und auf sie wirken zusätzlich die erwähnten Umwelteinflüsse und Stressfaktoren ein.

Oft ist darüber hinaus ein Mangel an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen vorhanden. Gesunde Menschen brauchen hier meist keine Substitution. Für kranke Menschen allerdings ist die Verabreichung dieser Stoffe hilfreich (z.B. Vitamin B12, H, D, Zink u.v.m.). Zur Sicherheit kann man bei der Substitutionstherapie die Vitamin-Spiegel kontrollieren, um eine Übertherapie auszuschließen. Die Bedeutung von Vitamin D, möglicherweise auch nicht nur beim Knochenstoffwechsel, tritt immer mehr in Erscheinung (9), (10), (24). Bei der Substitution werden auch eher Werte im hochnormalen Bereich empfohlen (10).

Menschen reagieren unterschiedlich. Wie wir heute wissen, haben einige auch Probleme beim Stoffwechsel (Aufnahme, Verarbeitung und Entgiftung) von Medikamenten (Stichwort: Cytochrom-P 450-Enzyme und Kaskaden usw.). Zwischen den Geschlechtern (Gendermedizin) und zwischen Kindern und Erwachsenen gibt es ebenso Unterschiede im Stoffwechsel, so auch bei den Medikamenten. Es existieren Hinweise, dass bspw. das Cytochrom P 450-System durch eine Infektion direkt beeinflusst werden kann (19).

 

Der Darm – ein unterschätztes Organsystem?

Wissen wir wirklich schon alles über den Darm (17), (21)? Dort spielen sich zahlreiche Immunprozesse ab. Der Eingang der Probiotika in die S3-Leitlinien zur Behandlung des Reizdarmsyndroms verdeutlicht, wie wichtig auch weitere Forschung auf diesem Gebiet ist. Erfreulicherweise gibt es bereits Professoren, die sich diesem Thema annehmen (1. Mikrobiom Konferenz im September 2014 in Berchtesgaden).

 

Intrazelluläre Krankheitserreger

Dieser Beitrag handelt unter anderem auch von den intrazellulären Krankheitserregern (wie z.B. u.a. Chlamydien, Ehrlichien) bzw. intrazelluläre Formen, die einige Erreger entwickeln können (wie z.B. u.a. Mykoplasmen, Rickettsien). Intrazelluläre Krankheitserreger sind oft säurefest und fettlöslich, so, wie auch die Erreger der Tuberkulose oder der Lepra.  Diese intrazellulären Krankheitserreger oder Formen von Erregern beherrschen zahlreiche Mechanismen, mit denen sie dem Immunsystem ihres Wirtes und der Wirkung von Antibiotika ausweichen können. Darüber hinaus verändern sie ihr Erscheinungsbild je nach Bedarf bei der Anpassung an ihr Milieu,  sie sind pleomorph, d.h. damit für die Diagnostik auch schwer identifizierbar. Die Spiralform der Borrelien „passt“ nicht in einen Erythrozyten (rotes Blutkörperchen), aber vielleicht andere (Persister-)Formen der Borrelien und in größeren Körperzellen.

Persisterformen von Borrelien scheint es „in vivo“ zu geben, sonst würde man nicht nach neuen Strategien für deren Behandlung suchen (2).

 

Dosierung von Doxycyclin

Noch ein wichtiger praktischer Hinweis: Zur Therapie der Borreliose wird häufig Doxycyclin verwendet. Hierbei werden offiziell 200 mg/d empfohlen. Andere Stellen empfehlen bis zu 400 mg/d. Es ist möglich, den Doxycyclin-Spiegel im Blut des Patienten bspw. 3 oder 4 Tage nach Behandlungsbeginn vom Labor bestimmen zu lassen, um zu kontrollieren, ob der Patient mit diesen empfohlenen 200 mg/d auch im therapeutischen Bereich liegt. Sollte dies nicht der Fall sein, kann man die Dosis individuell anpassen. Es gibt Patienten, die aus verschiedenen Gründen (siehe oben) mit 200 mg/d Doxycyclin den therapeutischen Bereich nicht erreichen. Damit wäre der Patient unterdosiert und somit nicht ausreichend behandelt. Die Bestimmung des Doxycyclin-Spiegels könnte auch helfen, einige „Therapieversager“ zu erklären und zu entdecken. Ein Grund dafür wäre auch die „falsche“ Einnahme des Antibiotikums, z.B. Einnahme zusammen mit Milchprodukten.

 

Gesundheitsökonomische Aspekte

Ziel sollte sein, dass es den Patienten wieder besser geht oder sie völlig beschwerdefrei werden. Damit reduziert man lange Arbeitsunfähigkeits-Zeiten, häufige Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte mit aufwendiger Diagnostik und offenbar nicht zufrieden stellender, symptomatischer Therapie oder eine folgende Berufsunfähigkeit. Solange keine Lösung für die Beschwerden angeboten werden kann, wird der Patient verständlicherweise weiter nach einer Borreliose Behandlung suchen. Das dürfte dann auch aus gesundheitsökonomischer Sicht nicht uninteressant sein (20). In einem Artikel von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Probleme mit dieser Erkrankung offenbar weiter verbreitet sind, als bisher angenommen. All das kostet viel Geld. Andererseits scheint es jedoch nicht sinnvoll zu sein, die Patienten und diese Erkrankung weiter zu ignorieren. Wir zitieren: “These patients are lost. No one really knows what to do with them. It’s a challange, but the first thing we need to do is to recognize this is a problem…“ (23).

Saugdauer der Zecke (Nymphe) und Übertragung von Borrelien und Co-Erregern

Erfreulicherweise existiert inzwischen eine Übersichtsarbeit nach Literaturstudium eines unabhängigen Wissenschaftlers zu der oft sehr emotional geführten Diskussion zum Thema: „Saugdauer der Zecke (oder Nymphe) und Wahrscheinlichkeit der Übertragung von Erregern (insbes. Borrelien)“. Es wird in dieser Arbeit herausgestellt, dass die Übertragung von Borrelien auch in weniger als 24 oder 48 Stunden erfolgen könnte. Diese Möglichkeit kann man also nicht kategorisch ausschließen, da Borrelien auch in den Speicheldrüsen von Nymphen und erwachsenen Zecken nachgewiesen wurden. Es können darüber hinaus auch andere Erreger übertragen werden. Außerdem kann der Betroffene oft gar keine genaue Zeitangabe dazu machen, seit wann die Nymphe (oder Zecke) an ihm saugt, sollte er sie überhaupt bemerken. Vielleicht hilft auch diese Arbeit dabei, die Diskussion zu diesem Thema allgemein etwas sachlicher zu führen (22).

Wir haben für alle Interessierten im weiteren Verlauf nur einige Diskussionspunkte herausgegriffen.

Wir denken, es gibt generell ein Problem mit Zecken-übertragenen Erkrankungen und stehen mit dieser Meinung nicht ganz allein. Auch die Entomological Society of America (ESA) und Dr. John Aucott von der Johns Hopkins Universität in den USA sehen das so und werben für weitere Forschung und Studien und eine sachlichere Diskussion. Die Probleme bestehen nicht nur in den USA.

 

Es gibt dann Hinweise auf Links zu weiterer Literatur z.B. www.erlebnishaft.de.

Allgemein findet sich weiterführende Literatur auch unter www.ilads.org und www.borrelliose-gesellschaft.de. Wir haben für die einzelnen, folgenden Kapitel sogleich einige Literaturquellen übersichtlich bereitgestellt.

Gerne führen wir im Rahmen von Vorträgen und Workshops eine konstruktive und sachliche Diskussion, bei der noch viele weitere wichtige Punkte zur Sprache kommen können.

 

Literaturangaben:

(1)    Norbert Satz: Klinik der Lyme-Borreliose; 3. Auflage 2010, Huber Verlag, S. 173 ff

(2)    Jie Feng  et. al. „Identification of novel activity against Borrelia burgdorferi persisters using an FDA approaved drug library“, Emerging microbes and Infections (2014)  3,e49;doi:10

(3)    Obsomer, V. et. al.:“Spatial disaggregation of tick occurence and ecology at a local scale as a preliminary step for spatial surveillance of tick born diseases: general framework and health implications in Belgium”, in parasites&vectors, 22.6:190 Epub 2013, Jun. 22

(4)    Marion Blaschitz et al.: “Babesia Species Occurring in Austrian Ixodes ricinus Ticks”, Applied and environmental Microbiology, Aug. 2008, Vol. 74, No. 15, p. 4841-4846

(5)    Studie von der Universität Coimbra, Portugal, und Universität Neuchatel, Schweiz: „First study on birds as hosts of Lyme Disease“, vgl. Pravda.ru vom 09.01.2013

(6)    Borrelia miyamotoi: A Lesson in Disease Discovery, Annals of Internal Medicine, 2013 American College of Physicians;  vgl. Centers for Disease Control and Prevention 24/7: Saving Lives. <protecting People™; www.cdc.gov/ticks/miyamotoi.html

(7)    Axel Teegler et.al. „The relapsing fever spirochaete borrelia miyamotoi resists complement-mediated killing by human serum”, Tick and Tick-borne Diseases (2014), www.elsevier.com/locate/ttbdis

(8)    Mark W. Eshoo et.al. „Broad-Range Survey of Tick-Borne Pathogens in Southern Germany Reveals a High prevalence of Babesia microti and a Diversity of Other Tick-Borne Pathogens”, Vector-Borne and Zoonotic Diseases, Volume 14, Number 8, 2014

(9)    Gurmukh Singh, Aaron J Bonham:” A Predictive Equation to Guide Vitamin D Replacement Dose in Patients”, J Am Board Fam. Med. 2014;27(4):495-509

(10) Prof. Dr. Jörg Spitz: „Vitamin D“, ISBN 978-3-00-027740-5

(11) Lorraine Michelet et.al. „High-throughput screening of tick-borne pathogens in Europe“ Frontiers in Cellular and infection Microbiology, Volume 4, Article 103, July 2014

(12) Platonov AE et.al. “Humans Infected with Relapsing Fever Spirochete Borrelia miyamotoi, Russia , Emerg. Infect. Dis. Oct 2011

(13) Wagemakers A., Oei Anneke et.al “The relapsing fever spirochete Borrelia miyamotoi is cultivable in a modified Kelly-Pettenkofer medium, and resistant to human complement” Academic Medical Center Amsterdam, The Netherlands

(14) Dingler RJ, Wright SA et.al. “Survaillance for Ixodes pacificus and the tick-borne pathogens Anaplasma phagocytophilum and Borrelia burgdorferi in birds from California`s Inner Coast Range”, Ticks Tick Borne Dis. 2014, Jun;5(4):436-45

(15) McCown ME, Monterroso VH, Cardona W “Surveillance for Ehrlichia canis, Anaplasma phagocytophilum, Borrelia burgdorferi, and Dirofilaria immitis in Dogs From Three Cities in Colombia”, J Spec Oper Med 2014 Spring;14(1):86-90

(16) Dibernardo Antonia et al.: The prevalence of Borrelia miyamotoi infection, and co-infections with other Borrelia spp. in Ixodes scapularis ticks collected in Canada; Parasites & Vectors 2014, 7:183.

(17) Bohorquez DV et.al. „Neuroepithelial circuit formed by innervation of sensory enteroendocrine cells“, J Clin Invest. doi:10.1172/JCI78361, Nov 2014

(18) Hornok et.al. „Synanthropic rodents and thier ectoparasites as carriers of an novel haemoplasma and vector-borne, zoonotic pathogens indoors“, Parasites & Vectors (2015) 8:27 DOI 10.1186/s13071-014-0630-3

(19) Shimamoto Yoshinori et.al. „Downregulation of Hepatic Cytochrome P450 3A in Mice Infected with Babesia microti“, J.Vet.Med.Sci. 74(2):241-245, 2012

(20) Rizzoli A et.al. „Ixodes ricinus and its transmitted pathogens in urban and peri-urban areas in Europe: new hazards and relevance for public health“, frontiers in Public Health, Dezember 2014, volume 2, Article 251, doi:10.3389/fpubh.2014.00251

(21) Bravo JA et.al. „Ingestion of Lactobacillus strain regulates emotional behavior and central GABA receptor expression in a mouse via vagus nerve“, www.pnas.org/cgl/doi/10.1073/pnas.1102999108; Sep. 2011, Vol. 108, no.38

(22) Michael J Cook: „Lyme borreliosis: a review of data on trasmission time after tick attachment“, International Journal of General Medicine 2015:8  1-8

(23) „Lyme disease costs up to $ 1.3 billion per year to treat, study finds“ (2015, February 5) retrieved 6 February 2015 from Http://medicalxpress.com/news/2015-02-lyme-disease-billions-year.html

(24) Alleskönner Vitamin-D? Bei niedrigen Spiegeln sind Hirninfarkte verheerender: Medscape. 17. Feb 2015. ; 1. International Stroke Conference (ISC), 11. bis 13. Februar 2015 Nashville/Tennessee – Henninger N, et al: Abstract W MP62, 11. Februar 2015

(25) K. Brangulis, etal., „Crystal structures of the Erp protein family members ErpP and ErpC from Borrelia burgdorferi reveal the reason for different affinities for complement regulator factor H“ Biochim. Biophys. Acta (2015). http://dx.doi.org/10.1016/j.bbapap.2014.12.025

(26) Godefroy Devevey et. al.: „First arrived takes all: inhibitory priority effects dominate competition between co-infecting Borrelia burgdorferi strains“, BMC Microbiology (2015) 15:61, DOI 10.1186/s12866-015-0381-0

(27) Comstedt P et. al.: „Migratory passerine birds as reservoirs of Lyme borreliosis in Europe“, Emerg Infect Dis. 2006 Jul; 12(7): 1087-95

(28) Marie-Angele Poupon et.al.: „Prevalence of Borrelia burgdorferi Sensu lato in Ticks collected from migratory birds in Switzerland“, Appl. Environ. Microbiol. 2006; 72:1, 976-979, doi: 10.1128/AEM.72.1.976-979.2006

(29) Fobito Ishiguro et. al.: „Prevalence of Lyme Disease Borrelia spp in Ticks from Migratory Birds on the Japanese Mainland“, Appl. Environm. Microbiol. March 2000; 66:3, 982-986 doi: 10.1128/AEM.66.3.982-986.2000

(30) Muqing Li et.al.:“ Lyme Disease Borrelia Species in Northeastern China resemble those isolated from far Eastern Russia and Japan“, Appl. Environm. Microbiol. July 1998; 64:7, 2705-2709

(31) Medlin, J.S., et al.:“Vector potential and population dynamics for Amblyomma inornatum“, Ticks Tick borne Dis. (2015), http://dx.doi.org/10.1016/j.ttbdis.2015.03.014

(32)  May K et al.: „Borrelia burgdorferi sensu lato and co-infections with Anaplasma phagocytophilum and Rickettsia spp. in Ixodes ricinus in Hamburg, Germany“. Med. Vet. Entomol. 2015(Jun), DOI: 10.1111/mve.12125

(33) N. Rudenko et.al.; „Isolation of live Borrelia burgdorferi senso lato spirochetes (also Borrelia bissettii-like strain) from patients with undefined disorders and symptoms not typical for Lyme borreliosis“, doi:10.1016/j.cmi.2015.11.009