Erythema migrans, Lymphozytom, Akrodermatitis und Meldepflicht

Erythema migrans, Lymphozytom, Akrodermatitis und Meldepflicht:

In knapp der Hälfte der deutschen Bundesländer wurde bisher die Meldepflicht für Borreliose eingeführt, d.h. jeder ärztliche Kollege ist verpflichtet, in diesen Bundesländern z.B. eine sog. „Wanderröte“ (Erythema migrans, EM, Erythema chronicum migrans, EcM) und/oder z.B.  erhöhte Borrelien-IgG-Antikörpertiter bei klinischen Symptomen einer Borreliose an die zuständigen Behörden (Gesundheitsämter) zu melden. Diese Entwicklung ist insgesamt als positiv zu sehen.

 

Bürokratische Probleme:

Die Meldebögen und Anzeichen, die gemeldet werden sollen, variieren aber leider zwischen den Bundesländern. Das ist leider auch nicht allen Kollegen in den Bundesländern bekannt. Es ist auch oft vielen Kollegen nicht klar, wer melden soll: der klinisch tätige Arzt oder das Labor? Außerdem ist diese Erfassung und Meldung eine zusätzliche bürokratische Belastung für die ärztlichen Kollegen. Somit spiegeln die gemeldeten Fälle leider nicht das tatsächliche Auftreten wider. Außerdem besteht auch immer noch die Frage, ob sie der Falldefinition der Meldestelle entsprechen. Beim Erythema migrans (EM) und Lymphozytom ist dies sicher noch am einfachsten, wenn man es erkennt.

 

Hinweis: Eine Infektion mit Ehrlichien (oder mit anderen durch Zecken-übertragenen Errregern wie Babesien usw.) entwickelt nach dem Zeckenstich aber kein Erythema migrans oder Lymphozytom !

 

Es gibt neben diesen bürokratischen Problemen aber auch noch praktische Gründe, die die Zahlen der gemeldeten Fälle eher geringer ausfallen lassen werden.

 

Erkennen der „Wanderröte“ und des Lymphozytoms

Zum Beispiel entwickeln nicht alle Patienten eine „Wanderröte“, oder sie entdecken diese bei sich selbst nicht (ungünstige Körperstelle, immer mehr Single-Haushalte ohne Partner). Einige Betroffene gehen mit dem Erythema migrans auch nicht zum Arzt, da es oft nicht schmerzt oder juckt. Bei einer weiteren Patientengruppe wird das Erythema migrans vom Patienten und/oder auch vom Arzt nicht als solches erkannt, sondern häufig als allergische Reaktion, Insektenstich, Hämatom oder Genitalmykose (Pilzinfektion im Genitalbereich) diagnostiziert. Weiterhin ist es praktisch gesehen auch manchmal sehr schwer, ein Erythema migrans auf sonnengebräunter (oder solarium-gebräunter) Haut, generell dunkler Haut oder Haut mit Sonnenbrand zu erkennen. Es gibt leider viele praktische Situationen, die das Erkennen des Erythema migrans erschweren. Diese dann leider unentdeckten Fälle sind aber alles Fälle von Lyme-Borreliosen im Stadium I (Frühstadium). Auch das grippale Stadium (Stadium II) kuriert der Patient oft alleine zuhause aus oder es wird als Virusinfekt diagnostiziert. Verursachen alle Borrelienstämme eine „Wanderröte“ (Erythema migrans)? Weiß jeder, wie ein Lymphozytom aussieht?

Dies sind keine Schuldzuweisungen. Es soll nur darauf hingewiesen werden, wie schwierig die Situation in der Praxis sein kann. Sicherlich gibt es keinen Streit darüber, dass alle diese Borreliosen, die im Frühstadium (früher Stadium I und II) nicht entdeckt oder auch nicht richtig behandelt werden (Fenistil-Gel, Fungicid-Salbe, Kühlung, Zinksalbe, Abwarten), zumindest das Potenzial (oder die Möglichkeit) haben, auch in die chronische Verlaufsform (Spätstadium) überzugehen. An Spekulationen, wie viele Fälle das dann sind, wollen wir uns nicht beteiligen.

Natürlich kann die Meldestelle auch nur die Fälle erfassen und präsentieren, die ihr gemeldet werden. Hier sollten also alle ärztlichen Kollegen mithelfen und unterstützen. Die Frage für die Praxis ist: Erkennen wir alle Fälle und Variationen des Erythema migrans, Lymphozytoms und der ACA?

 

Beispiele aus der Praxis:

Es folgen nun einige Bilder, die zeigen, wie ein Erythema migrans (Wanderröte), ein Lymphozytom und die Akrodermatitis chronica atrophicans (ACA) in der Praxis aussehen können und an welchen Körperstellen sie sich befinden können (auch multilokulär—an verschiedenen Stellen). Hierfür haben wir freundlicherweise einige Bilder aus der Hautarztpraxis von Dr. med. R. Schulte-Beerbühl aus Dortmund zur Verfügung gestellt bekommen. Zusätzlich wurden uns auch Bilder von Kollegen der ILADS über das mögliche Aussehen vom Erythema migrans (auch multilokulär- an verschiedenen Stellen gleichzeitig) auf dunkler Haut zugeschickt. Wir denken, dass schon aus praktischer Sicht bei dunkler Haut noch eine größere Patientengruppe völlig unentdeckt sein könnte!

 

Beispiele:  Erythema migrans

 

Em24

EmP1300830 - Kopie

EmBORRELIOSE3

EmBORRELIOSE

Em216330_4_Datum_08.10.2013

Em212341_2_Datum_05.10.2012

Em211682_2_Datum_13.08.2012

Em197058_04.05.2009_2 (2)

Em190009_2_Datum_04.10.2010

Em182805_29.06.2009_2

Em14781_2_Datum_23.10.2008

Em12967_03.06.2009_5

Em12047_2_Datum_04.10.2010

Em2992_6_Datum_30.08.2011

Em456_2_Datum_09.11.2012

Em31

 

 

 

Beispiele:    Lymphozytom

 

 

L042

L209525_2_Datum_30.01.2012

L203894_2_Datum_27.08.2010

L48

 

 

Beispiele:    Acrodermatitis chronica atrophicans

 

 

ACA047

ACA046

ACA044

ACA039